Station 6: Bohnerzgrube
In nächster Nähe zur Schmaudersgrube gab es noch viele andere Bohnerzgruben. Bohnerz hat seinen Namen von Erzkügelchen, die die Form und die Krümmung von Bohnen haben können. Chemisch betrachtet, besteht das Bohnerz überwiegend aus Goethit. Die Bohnerzkügelchen sind schalig aufgebaut und haben einen Kern aus Bohnerzbruchstücken oder Tonbröckchen. Ihr Eisengehalt beträgt ca. 40 %. Durchschnittlich sind die Kügelchen 9 bis 15 mm groß, sie können jedoch auch die Größe einer Kinderfaust erreichen.
Das im Raum Oggenhausen–Nattheim abgebaute Bohnerz wurde in den Eisenschmelzereien von Heidenheim, Mergelstetten und Königsbronn verhüttet. Schon die Alamannen in den ersten zwei Jahrhunderten der früheren Völkerwanderungszeit (3. bis 5. Jahrhundert) gewannen Bohnerz, dass sie schmolzen und verschmiedeten. Dies haben Ausgrabungen in den Jahren 1973/1974 ergeben.
Im Mittelalter hatte nur der König das Recht, Bergbau zu betreiben. Dieses Privileg konnte er aber ganz oder teilweise an Dritte verleihen. Dies geschah erstmals im Jahr 1365, als Kaiser Karl IV. dem Grafen Ulrich von Helfenstein das Recht gab, Mühlen und Hämmer an der Brenz und am Kocher zu bauen, um Eisenwerk zu betreiben.
Knapp 500 Jahre später -im Jahr 1844- war die Bohnerzgewinnung hierzulande auf dem Höhepunkt angelangt. So wurde in der Oberamtsbeschreibung festgehalten, dass in der Erzgrube südöstlich von Oggenhausen 26 Erzknappen beschäftigt waren. Dazu wurde einige Jahre zuvor ein Erzhäusle erbaut, dass von 5 Personen, die den Erzknappen die Wirtschaft führten, bewohnt wurde. 1890 fuhren die Bauern von Nattheim mit Ochsen oder Pferden noch 4.000 t Bohnerz in das Eisenwerk Königsbronn. Im Laufe der Jahre musste man jedoch feststellen, dass es sich nicht mehr lohnte, auf der Ostalb Erz abzubauen. Das Erz in Lothringen und im Ruhrgebiet konnte günstiger gewonnen werden. So wurde der Bohnerzabbau 1892 eingestellt.
