Stadt- und Kulturgeschichte auf den Friedhöfen
Allgemeines zur Stadt- und Kulturgeschichte
Wie auf vielen Friedhöfen gibt es auch auf den Heidenheimer Friedhöfen Grabstätten, die Stadtgeschichte erzählen: Soldatengräber des 1. und 2. Weltkrieges, Grabmale von Ehrenbürgern, ehemaligen Oberbürgermeistern und Bürgermeistern sowie handwerklich wertvolle und historisch bewahrenswerte Grabsteine spiegeln die Heidenheimer Stadtgeschichte in unvergleichlicher Weise wider.
Wer sich allerdings mit Heidenheims Geschichte nicht oder wenig auskennt, wird weder auf dem Totenberg-Friedhof das Ehrengrab von Josef Weiss noch auf dem Waldfriedhof die Grabstätte des ehemaligen Oberbürgermeisters Hornung finden. Und wer war noch gleich Helmut Bornefeld?
Um hier Klarheiten zu schaffen und Besuchern, Heidenheimer wie Auswärtigen, die für Heidenheim geschichtlich bedeutenden Grabmale nahe zu bringen, plant die Friedhofsverwaltung die Aufstellung von Informationstafeln an diesen Monumenten, um mit einer einheitlichen Darstellung über die Personen und ihre Lebenswerke zu informieren.
Bereits im Jahr 2022 wurde ein Verzeichnis angelegt, in dem kulturgeschichtlich oder handwerklich wertvolle Grabstätten, die sich noch in Privatbesitz befinden, aufgelistet sind. So haben wir bei Ablauf der Ruhe- und/oder Grablaufzeiten die Möglichkeit, der Abräumung und Entsorgung entgegenzuwirken und die Grabmale in Friedhofseigentum zu übernehmen.
Ehrengrabstätte Hugo Rupf
Ehrengrabstätten Voith
Ehrengrabstätte Christian Meebold
Ehrengrabstätte Kurt Bittel und Friedrich Pfenning
Ehrengrabstätte Eugen Jaekle
Ehrengrabstätte Eugen Gaus
Ehrengrabstätte Karl Rau
Grabstein Josef Weiss
Grabstein Hermann Poppe
Grabanlage Familie Hartmann
Grabanlage Familie Gunzenhauser
Grabanlage Familien Voelter und Pfeiffer
Grabanlage Familien Traber und Renz
Grabanlage Familie Neff
Grabanlage August Lösch auf dem Waldfriedhof
Nationalökonom
August Lösch
* 18. Oktober 1906 in Öhringen
t 30. Mai 1945 in Ratzeburg
Heidenheim hat einen großen Sohn, von dem viele Bürger wenig wissen:
August Lösch, der bedeutendste deutsche Wirtschaftswissenschaftler seiner Generation und einsamer Kämpfer gegen den Nationalsozialismus.
Er lebte seit seinem 2. Lebensjahr in Heidenheim, schrieb sein berühmtes Werk „Die räumliche Ordnung der Wirtschaft" in Heidenheim und seine Widmung im Vorwort trägt den Namen Heidenheims um die ganze Welt.
Es existieren englische, spanische, russische, japanische und polnische Ausgaben seines Werkes. Überall auf der Welt, wo man sich mit Bevölkerungs- und Entwicklungsprognosen, mit Regionalforschung und Raumplanung beschäftigt, kennt man den Namen August Lösch.
1971 wurde in Heidenheim der August-Lösch-Preis für herausragende regionalwissenschaftliche Leistungen ins Leben gerufen und von 1972 an alle zwei Jahre vergeben. Nachdem die Verleihung 2004 unterblieben war, wurde der Preis 2006 erstmals an der Universität Kiel verliehen. Bis 2000 wurde außerdem der August-Lösch-Ehrenring vergeben.
Ihm zum Gedenken trägt die August-Lösch-Straße in der Innenstadt seinen Namen.
Ehrengrabstätte Martin Hornung auf dem Waldfriedhof
Oberbürgermeister Martin Hornung
* 26. Juni 1932 in Heilbronn
t 14. Januar 2000 in Heidenheim
Ehrenbürger seit 28. Mai 1993
Martin Hornung war von 1969 bis 1993 Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim.
In dieser Zeit prägte er die Stadtgeschichte wie kaum ein anderer. Dies zeigt sich in der verbesserten Verkehrsanbindung der Stadt mit dem Bau der A7 und der Verlegung der B19 aus der Innenstadt. Auch die großflächigen neuen Wohngebiete Reutenen und Osterholz sowie die bedeutsame Ausweitung gewerblicher Bauflächen sind in seiner Amtszeit entstanden. Ebenfalls in seiner Amtszeit wurde das heutige Rathaus gebaut.
Heidenheim entwickelte sich unter seiner Führung zur Schul- und Sportstadt, die Zweigstelle der Verwaltungs-und Wirtschaftsakademie, die Berufsakademie und das Werkgymnasium stehen hierfür ebenso wie das Albstadion (heute: Voith-Arena), zahlreiche Turn- und Sporthallen, das Hellenstein-Bad Aquarena und die Einrichtung von Leistungszentren für Fechten und Modernen Fünfkampf. Auch die Stärkung der wissenschaftlich-kulturellen Schiene mit dem Archäologie-Colloquium, der Wiederbelebung des Schäferlaufs sowie der Schaffung einer musealen Landschaft mit dem Museum im Römerbad, dem Museum für Kutschen, Chaisen und Karren und dem Kunstmuseum zeugen von seinem Wirken.
Seine Verdienste wurden mit zahlreichen Ehrungen gewürdigt, darunter das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Heidenheim.
Ihm zum Gedenken trägt der Martin-Hornung-Saal im Congress Centrum seinen Namen.
Ehrengrabstätte Michael Rogowski auf dem Waldfriedhof
Senator h.c. Dr.
Michael Rogowski
* 13. März 1939 in Stuttgart
† 12. November 2021 in Heidenheim
Ehrenbürger seit 2. April 2004
Dr. Michael Rogowski trat 1974 in die Voith Unternehmensgruppe ein und war in unterschiedlichen Funktionen mehr als 35 Jahre lang für Voith tätig, unter anderem als Mitglied und Sprecher der Geschäftsführung, später als Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung sowie als Vorsitzender des Aufsichtsrats und des Gesellschafterausschusses. In dieser Zeit hat er die internationale Expansion von Voith in den USA sowie in China und Asien vorangetrieben und das Unternehmen weiter zu einem Weltkonzern ausgebaut. Bis zuletzt war Dr. Rogowski als Vorsitzender der Hanns-Voith-Stiftung aktiv und hat mit seinem persönlichen Engagement für Bildung, Kunst und Kultur das gesellschaftliche Leben am Konzernsitz in Heidenheim und in der gesamten Region bereichert.
Als Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) sowie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) setzte er sich für die deutsche Industrie ein. Seine Verdienste in Wirtschaft und Gesellschaft wurden mit zahlreichen Ehrungen, darunter mit dem Bundesverdienstkreuz und der Ehrenbürgerschaft der Stadt Heidenheim, gewürdigt.
Ehrengrabstätte Eugen Loderer auf dem Waldfriedhof
Gewerkschaftsfunktionär
Eugen Loderer
* 28. Mai 1920 in Heidenheim
t 9. Februar 1995 in München
Ehrenbürger seit 4. Oktober 1984
Eugen Loderer war stets eng mit Heidenheim verbunden und hat für seine Heimatstadt viel bewegt.
Nach der Wirtschaftskrise von 1973 hat er engagiert gegen die heftigen Folgen angekämpft. Mehr als 35 Jahre lang war er am Neuaufbau und dem Ausbau der Gewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland beteiligt. In Baden-Württemberg war er Vorsitzender des DGB und stellvertretender Landesvorsitzender der SPD. In Heidenheim war er Stadtrat und Vertreter des Gewerkschaftsverbandes. Von 1972 bis 1983 bekleidete er das Amt des 1. Vorsitzenden der weltweit größten Einzelgewerkschaft, der IG Metall. Während seiner Amtszeit konnte das nationale und internationale Ansehen der deutschen Gewerkschaften, vor allem das der IG Metall, erheblich gestärkt werden. Ab 1973 war Eugen Loderer auch Präsident des Internationalen Metallgewerkschaftsbundes (IMB).
Seine Verdienste wurden mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Heidenheim gewürdigt.
Ihm zum Gedenken trägt das Eugen-Loderer-Zentrum am Rathaus seinen Namen.




