Geschichte von Großkuchen
Aus: Helmut Weimert: Historisches Heidenheim (Heidenheim 2. Aufl. 2006), 32 – 36.
Fundmaterial aus den Fluren Gassenäcker und Hintere Wiesen vom Nordwest-Rand Großkuchens zeigt, dass hier schon in einer Spätphase der Urnenfelderzeit (ca. 10. bis Mitte 8. Jh. v. Chr.) Menschen wohnten. Von denselben Fundplätzen stammen Keramikscherben und Tongefäße der nachfolgenden Mittleren Hallstattzeit (HaC, Ende 8. Jh. und 7. Jh. v. Chr.). Eine erste Untersuchung des etwa 700 Meter nordwestlich des Gewanns Hintere Wiesen gelegenen Eisenbrunnens erbrachte den Nachweis, dass sich hier eine hallstattzeitliche Wasserstelle, bestehend aus zwei jeweils 5 Meter tiefen, wannenförmigen Löchern befindet. Die Überreste aus der Hallstattzeit dürften im Zusammenhang mit den außergewöhnlich zahlreich im Gebiet Nattheim - Großkuchen vorhandenen Grabhügeln jener Epoche zu sehen sein. So findet man u. a. ca. 2 km östlich von Großkuchen im Wald Badhäule eine bemerkenswert gut erhaltene Gruppe von 68 Grabhügeln. Möglicherweise liegt in den Bohnerzvorkommen der Umgebung der Grund für die hallstattzeitliche, d. h. früheisenzeitliche, Besiedlung.
Neuere Grabungen im Bereich Gassenäcker und Hintere Wiesen lieferten vorläufige Ergebnisse, die auf eine römische Ansiedlung im Zeitraum zwischen dem Ende des 1. und der Mitte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts hinweisen.
Im selben Gewann ließen sich erstmals im späten 3. oder am Beginn des 4. Jahrhunderts Alamannen nieder. Zisternen, Schlacken sowie rechteckige, als Herdstellen interpretierbare Steinsetzungen deuten hier auf fast fabrikationsmäßige Eisenverarbeitung hin. Etwa um 400 endete diese erste frühalamannische Siedlungsphase. Ein kleines Gräberfeld in der Flur Gassenäcker verrät die Anwesenheit einer zweiten, späteren Alamannenkolonie. Wie Untersuchungen von A. Heege gezeigt haben, dürften ihre ein bis zwei Höfe zwischen den Jahren 450 und 530 bestanden haben.
Die dritte Alamannensiedlung schließlich, von der bislang nur das seit der Mitte des 6. Jahrhunderts belegte Gräberfeld in der Flur Pfaffensteig bekannt ist, wird von den Archäologen als Ausgangspunkt einer ständigen Niederlassung in diesem Bereich, mithin als Urzelle der heutigen Ortschaft Großkuchen betrachtet. Zwar endete die Belegung des Gräberfeldes Pfaffensteig um die Mitte des 7. Jahrhunderts, aber bereits seit dem späten 6. Jahrhundert beerdigte eine weitere Hofgemeinschaft ihre Toten auf dem Kappelberg, etwa 160 Meter südwestlich von Flur Gassenäcker. In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts wurde dieser Friedhof aufgelassen.
Die älteste schriftliche Erwähnung Großkuchens bezieht sich auf eine Güterübertragung in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts an das Kloster Fulda. Möglicherweise handelt es sich bei dem betreffenden Besitztum in „Chuocheim“ um einstiges alamannisches Herzogsgut. Des Weiteren waren im Hochmittelalter die Klöster Ellwangen und Lorch sowie die Gaugrafen von Dillingen in Großkuchen begütert. Letztere statteten das von ihnen um 1095 gegründete Kloster Neresheim mit Besitz in Groß- und Kleinkuchen aus. Rechtsnachfolger der 1258 im Mannesstamm ausgestorbenen Dillinger wurden die Grafen von Oettingen- Wallerstein. Sie schenkten im späten 13. Jahrhundert dem Kloster Neresheim ihre Güter in Groß- und Kleinkuchen, behielten jedoch die Dorfherrschaft bei.
1764 traten die Oettinger ihre Rechte in Großkuchen an das Kloster Neresheim ab. Gemeinsam mit dem Kloster gelangte das Dorf 1802 an das Haus Thurn und Taxis und zählte zum württembergischen Oberamt Dischingen. Von 1806 bis 1810 unter bayerischer Landeshoheit kam Großkuchen danach wieder zu Württemberg (Oberamt Neresheim) und zählt seit 1938 zum Kreis Heidenheim. Zusammen mit den auf seiner Gemarkung liegenden Weilern Kleinkuchen, Nietheim und Rotensohl ließ sich Großkuchen am 1. Juli 1974 freiwillig nach Heidenheim eingemeinden.
Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Großkuchen wurde 1736 auf Anregung des Neresheimer Abts Edmund Heyser errichtet. Ihre Vorgängerkirche stand seit der Mitte des 16. Jahrhunderts auf diesem Platz. Das spätbarocke, äußerlich schlichte Bauwerk zeichnet sich im Innern durch üppige Deckenstukkaturen, Fresken des Neresheimers Michael Zink sowie eine große, reichverzierte Rokokokanzel aus.
Die jahrhundertelang in Großkuchen ansässige Familie Mettenleiter brachte eine Reihe von bedeutenden Künstlern hervor. Johann Jakob Mettenleiter, 1750 in Großkuchen geboren, erhielt eine gründliche Ausbildung als Kunstmaler bei Johann Georg Zink und Martin Knoller. Nach mehreren ausgedehnten Reisen wurde er 1786 an den Zarenhof nach St. Petersburg als Hofmaler und Museumsdirektor berufen. Dort starb der hochgeschätzte Portraitist am 25. Februar 1825.
Sein 15 Jahre jüngerer Bruder Johann Michael spezialisierte sich nach Studien in Rom, München und Augsburg auf die Anfertigung von Radierungen und Kupferstichen. Von Alois Senefelder erlernte er dessen neuartiges Flachdruckverfahren, die Lithographie, und entwickelte diese Kunst so weiter, dass ihm 1808 die Einrichtung und Leitung der Staatlichen Bayerischen Steindruckerei zur Durchführung der Landesvermessung übertragen wurde. Zar Alexander von Russland bat ihn 1818, in Warschau eine lithographische Werkstatt für die Herstellung von Militärkarten aufzubauen. Johann Michael Mettenleiter war Gründungsmitglied des 1823 ins Leben gerufenen Münchner Kunstvereins. 1824 wurde er in die Kgl. Bayerische Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Am 19. März 1853 starb Johann Michael Mettenleiter in Passau.
Johann Evangelist Mettenleiter, der Neffe von Johann Jakob, wurde 1792 in Großkuchen geboren. Als Schriftkünstler in München erwarb er sich einen glänzenden Ruf. Das Lehrbuch „Schriftenmagazin für Freunde der Kalligraphie und zum Unterrichte“, sein Lebenswerk, erschien 1840. Johann Evangelist Mettenleiter starb am 7. April 1870 in München.
Erst im 12. Jahrhundert wird Kleinkuchen neben Großkuchen gesondert erwähnt. Auch hier besaß das Kloster Neresheim Güter. Die Besitzgeschichte des Dorfes ist weitgehend mit der von Großkuchen identisch. Seit 1935 ist Kleinkuchen Teilgemeinde von Großkuchen. Aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt die schlichte St.-Ulrichs- Kapelle.
Ebenfalls seit dem Mittelalter gehören die Weiler Nietheim und Rotensohl zu Großkuchen. Das 1784 erbaute Jagdschloss in Nietheim wird heute als Forsthaus genutzt.

