Schloss Hellenstein im Sommer. Foto: Oliver Vogel

Die Opernfestspiele Heidenheim 2022 ziehen Bilanz

Am vergangenen Sonntag sind die Opernfestspiele Heidenheim 2022 mit der seit Monaten ausverkauften und am Abend bejubelten „Last Night“ zu Ende gegangen.

Last Night
 Last Night 2022 (c)Opernfestspiele Heidenheim

Knapp zwei Festspielmonate mit über 40 Veranstaltungen fanden erstmals seit 2019 unter "weitgehend normalen“ Bedingungen statt. Die Stadt Heidenheim stuft die Bilanz als künstlerisch hervorragend ein. Der Publikumszuspruch lag mit einer Auslastung von 82% weit über Erwartung. 

I. Musiktheater

Im Programmkern "Musiktheater auf national und international wahrgenommenem Niveau" boten die Opernfestspiele Heidenheim in der „DA CAPO“ betitelten Festspielsaison 2022 vier Opernproduktionen: Als Oper in der Open-Air-Spielstätte Rittersaal Schloss Hellenstein wurde mit „Tannhäuser“ die in der Amtszeit von Festivaldirektor Marcus Bosch zweite Oper von Richard Wagner gegeben. In der Reihe der frühen, chronologisch aufgeführten und aufgenommenen Opern Giuseppe Verdis sorgte die Produktion „I due Foscari“ für Pressebesuche aus dem In- und Ausland und begeisterte Publikumsreaktionen. Mit  „Wurst“ wurde die vierte Uraufführung des Formates Junge Oper nach zweimaliger Verschiebungen in der Coronazeit im Opernzelt im Brenzpark aus der Taufe gehoben. Und die Pop-up Oper „Nau bens hald I“ über den Widerstandskämpfer Georg Elser fand im dritten Jahr in Folge unter anhaltend großer Resonanz bei Publikum und Presse statt.  

II. Konzerte

Zwei der fünf großen Konzerte waren Debuts: Die Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (Eröffnungskonzert) und die NDR Bigband (Jazzgala) konzertierten erstmals in Heidenheim. Die weiteren drei großen Formate gestalteten mit eigenem Konzertprogramm der Tschechische Philharmonische Chor Brünn (OH! in der Pauluskirche), die Cappella Aquileia – Orchester der OH! beim Galakonzert und die Stuttgarter Philharmoniker (Last Night zusammen wiederum mit dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn). 

III. Extras und kostenlose Angebote

Einen großen Anteil am Festival hatten die zahlreichen Extraveranstaltungen, darunter vier Jazzfrühstücke (deren letztes mit den Stars Fola Dada und dem Ulmer Joo Kraus besetzt war), ein Familienkonzert im Brenzpark (OCEANKIDS), der traditionelle Blaue Abend in der Hammerschmiede Königsbronn und andere begleitende Veranstaltungen. Auch die kostenlosen Angebote wurden sehr gut angenommen, darunter die Schlossbergtafel mit über 400 Gästen, die Aufführungen der Elser-Oper „Nau bens hald I“ in Heidenheim, der Region und mit Schulvorstellungen, Pop-up-Auftritte des Ensembles in der Stadt und die Einführungen vor den Opernaufführungen und den großen Konzerten. 

IV. Indoor/Outdoor/Infrastruktur

Die Möglichkeit, die open-air angesetzten Vorstellungen auch bei Regen vollwertig und für alle Festspielgäste adäquat aufführen zu können, ist ein herausragender Standortvorteil für die Opernfestspiele Heidenheim. In der Festspielsaison 2022 wurde das akustisch exzellente Festspielhaus CCH genutzt für zwei der sieben Vorstellungen des „Tannhäuser“ und für zwei der vier „outdoor“ geplanten Konzerte (Eröffnungskonzert und Jazzgala). Alle Jazzfrühstücke konnten wie geplant im Brunnengarten des Schlosses Hellenstein stattfinden. 

Nach knapp 40 Jahren hatte die Tribüne von 1982 ausgedient: Die neue, bereits 2021 unter anderem mit Unterstützung aus dem Programm „Neustart Kultur“ der Bundesregierung erworbene Tribüne mit gleicher Platzkapazität und erstmals ausgewiesenen Rollstuhlplätzen sowie deutlich bequemeren Sitzen wurde mit der zweiten Vorstellung des „Tannhäuser“ am 3. Juli offiziell eingeweiht. Der Rittersaal war 2020 bis 2021 saniert worden und erstrahlte ebenfalls in neuem Glanz. Die bekannten Spielstätten (darunter vor allem Opernzelt im Brenzpark, Pauluskirche, Hammerschmiede Königsbronn) konnten nach der pandemiebedingten Zwangspause ohne größere Einschränkungen genutzt werden. 

V. Zahlen

Die Zuschauerzahlen erholen sich bei Opernhäusern, Theatern und Festivals nach den Lockdowns während der Pandemie und den bürokratischen Hürden beim Besuch von Veranstaltungen oftmals nur schleppend, das Niveau von 2019 kann auch bei den großen Wettbewerbern vorerst insgesamt nicht erreicht werden. Die Opernfestspiele Heidenheim 2022 beobachteten eine Zunahme der Besucherzahlen im Laufe des Festspielsommers: Waren zu Beginn (außer beim Eröffnungskonzert und der ersten Opernpremiere „Tannhäuser“) die Auslastungszahlen im Vergleich zu den Jahren vor 2020 deutlich geringer, steigerte sich die Auslastung der Veranstaltungen immer mehr. Eine Ausnahme bildete die Last Night: Sie war als erste aller Veranstaltungen seit Monaten ausverkauft. 
Zu den OH! 2022 kamen insgesamt 13.596 Besucher*innen. Die Gesamtauslastung der im Verkauf befindlichen Formate betrug 82%. Diese Zahl errechnet sich aus den Einzelauslastungen Oper „Tannhäuser“ (75%), Oper „I due Foscari“ (85%), Große Konzerte (98%), Junge Oper (69%) und den Extras. 

VI. Künstlerische Kooperationen

Die Produktionen der OH! sind Botschafter für Heidenheim: Die Junge Oper "Wurst" wurde bei den Baden-Württembergischen Theatertagen in Heilbronn im Juli 2022 gezeigt. Das Galakonzert der Cappella Aquileia wurde am 30. Juli unter großer Begeisterung des Publikums beim Internationalen Kirchenmusikfestival im Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd wiederholt. Die „Tannhäuser“-Produktion wiederum beruht auf deutsch-italienischer Zusammenarbeit und wird im November 2022 an den Opernhäusern von Reggio Emilia und Modena gezeigt. 

VII. Presseabdeckung und Social Media

Die Medien-Resonanz auf die Opernfestspiele Heidenheim 2022 ist überaus positiv. Die Tagespresse war vertreten durch Zeitungen von Konstanz bis Kiel, die Fachpresse durch alle wichtigen Magazine wie „Opernwelt“, „Opernglas“ und andere, die regionale Berichterstattung war umfangreich und wurde mit Anzeigenschaltungen durch die OH! flankiert. Der SWR berichtete über die Junge Oper, die Elser-Oper und mit einer „Tannhäuser“-Vorberichterstattung, ein regionaler TV-Sender ebenfalls bei der Elser-Oper. Auch mehrere Hörfunkbeiträge sind dokumentiert. Klassik Radio brachte eine Serie von Spots zur überregionalen Bewerbung der OH!. Einige der wichtigsten Kulturjournalisten des Landes waren in Heidenheim, darunter die ehemalige Feuilletonchefin der FAZ, Dr. Eleonore Büning, WELT-Journalist Manuel Brug, Verdi-Experte Dr. Uwe Schweikert, und Concerti-Redakteur Peter Krause. Magazine aus Spanien, Luxemburg und England haben berichtet. Die Social-Media-Kanäle der OH! wurden durch einen externen Dienstleister bespielt; die Zahlen zu Wachstum und Reichweitenerhöhung auf diesem Gebiet werden eben auf den Sozialen Medien bekannt gegeben. 

VIII: Fazit von Oberbürgermeister, Kulturbürgermeisterin, Künstlerischem Direktor, Kuratoriumsvorsitzender

Festspieldirektor Marcus Bosch zieht sein persönliches Fazit: „Künstlerisch waren diese Festspiele 2022 die wohl erfolgreichsten, seit ich die Verantwortung für die OH! tragen darf. Beim Publikum haben wir von Anfang an Begeisterung und Unterstützung, im Verlauf der Festspiele dann auch immer mehr Vertrauen in unsere Arbeit gespürt. Die Zuneigung unserer Besucher*innen ist während dieses Festspielsommers zurückgekehrt!“ Und OB Michael Salomo betont: "Die Opernfestspiele leisten für die Stadt und ihre Attraktivität weit über die Stadtgrenzen hinaus einen wertvollen Beitrag zur Kultur." Kulturbürgermeisterin Simone Maiwald zeigt sich beeindruckt vom internationalen Format: "Opernfestspiele und Cappella Aquileia sind ein Aushängeschild für die Stadt Heidenheim und das Kulturland Baden-Württemberg." Britta Fünfstück, Vorstandsvorsitzende der Paul Hartmann AG und Vorsitzende im Kuratorium der OH! ergänzt: "Die herausragende Qualität und die Strahlwirkung sind die Gründe, warum wir als Unternehmen die Festspiele so entschieden unterstützen."

Die Opernfestspiele 2023 stehen unter Motto „HELDINNEN“, das Jahresprogrammbuch erscheint im November, der Kartenvorverkauf für die OH! 2023 startet am 21. November.

(Erstellt am 04. August 2022)

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