Im Schatten eines Minenopfers

Das Denkmal für Erwin Rommel in Heidenheim wurde durch ein Mahnmal eines Minenopfers ergänzt. Rainer Jooß, Kommunikationsdesigner, wurde mit dem Erarbeiten des Mahnmals beauftragt. Der weltweit angesehene Historiker Prof. i.R. Dr. Wolfram Wette sprach zu diesem historischen Ereignis vor dem Gemeinderat der Stadt Heidenheim am 23. Juli kurz vor Übergabe des Mahnmals.

Prof. i.R. Dr. Wolfram Wette, Oberbürgermeister Bernhard Ilg und Künstler Rainer Jooß vor dem neuen Mahnmal (v.l.n.r.).

In seinem Beitrag „Hitlers Lieblings-General Rommel und unsere demokratische Erinnerungskultur“ stellte Wette dar, wie die Welt Rommel während und nach der Kriegszeit gesehen hat. Während der Nordafrikafeldzüge wurde Rommel vom Nazi Regime als Ideal des deutschen Soldaten bezeichnet, Rommel sei der Star des Regimes gewesen. Nachdem das Ansehen der Wehrmacht bröckelte, wurde auch Rommel dem Widerstand gegen das NS Regime näher gebracht. Und bis heute ändere sich die Wahrnehmung Rommels in der Gesellschaft, aber vor allem in der Wissenschaft, weiter. Die Dekonstruktion der Wehrmacht in den Jahrzehnten nach Ende des Regimes sorgt für eine neue Einordnung Rommels in die wissenschaftlichen Forschung. Die Wissenschaft habe sich von der Vergangenheitsbewältigung hin zu einer Erinnerungskultur entwickelt.

Die Feldzüge in Nordafrika und der verheerende Einsatz von Minen stellt Wette in seinem Vortrag ebenfalls dar. Die Anzahl der Opfer, die Menge der eingesetzten Minen und der bis heute entstandene Schaden durch verminte Gegenden sei bis heute nicht zu beziffern.

„Wir wollen nicht über die Verdienste oder die Verfehlungen Erwin Rommels als Sohn der Stadt Heidenheim urteilen, sondern den Minenopfern, die es durch die damaligen Wüstenkriege in Nordafrika heute noch gibt, gedenken. Anlässlich der weltweiten Aktivitäten rund um belastete Skulpturen fällt auf die Umgestaltung unseres Rommel-Denkmals ein besonderes Licht. Ein Licht, indem wir uns sehen lassen können. Mit dem Mahnmal eines Minenopfers, dessen Schatten je nach Lichteinfall unterschiedlich fällt. Nach hinten als Verweis in die Vergangenheit, aber auch nach vorne als Mahnung für die kommenden Generationen. Der Künstler Rainer Jooß hat diesen Spagat großartig gelöst“, so Oberbürgermeister Bernhard Ilg.

Ilg ist sich der Schwierigkeit bewusst, Fakten und Legenden in der Würdigung historischer Persönlichkeiten auseinander zu halten und folgert daher: „Ein Denkmal verkündet keine Wahrheit, sondern regt dazu an, nach ihr zu suchen.“

Auch der Künstler Rainer Jooß versteht die Ergänzung des Rommel-Denkmals nicht als Schlussstrich der historischen Aufarbeitung. Vielmehr wünsche er sich, "dass sich nachfolgende Generationen auf der Basis einer fachlich begründeten Geschichtsschreibung ihr eigenes Bild machen", erklärte Jooß. Unter www.rommel-denkmal.de - übrigens auch in die Skulptur eingraviert - kann sich jeder dieses eigene Bild schaffen.

Bilder

Historiker Prof. i.R. Dr. Wolfram Wette bei seinem Vortrag im Konzerthaus.
Mahnmal und Denkmal.
Oberbürgermeister Bernhard Ilg dankt dem Künstler Rainer Jooß (rechts).
(24. Juli 2020)

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