Ein Schatten auf dem Rommel-Denkmal

„Hitlers Lieblings-General Rommel und unsere demokratische Erinnerungskultur“ lautet der Titel eines Vortrags, den Prof. i. R. Dr. Wolfram Wette, Universität Freiburg, am Donnerstag, 23. Juli 2020 um 17 Uhr, vor dem Heidenheimer Gemeinderat hält. Die Sitzung im Konzerthaus ist öffentlich. Der Vortrag hängt zusammen mit dem Rommel-Denkmal, das der Kommunikationsdesigner Rainer Jooß jetzt mit der Silhouette eines Minenopfers ergänzt hat.

Wolfram Wette. Portrait von SYLVIA TIMM  Badische Zeitung Waldkirch 8-2009
Wolfram Wette. Portrait von SYLVIA TIMM  Badische Zeitung Waldkirch 8-2009

Oberbürgermeister Bernhard Ilg ist sich der Schwierigkeit bewusst, Fakten und Legenden in der Würdigung historischer Persönlichkeiten auseinander zu halten und folgert daher: „Ein Denkmal verkündet keine Wahrheit, sondern regt dazu an, nach ihr zu suchen.“
Jooß will erreichen, sich an Rommel nicht allein aus dem Geist vergangener Jahrzehnte zu erinnern, sondern den aktuellen Forschungsstand zu berücksichtigen. Er versteht die Ergänzung des Rommel-Denkmals nicht als Schlussstrich der wissenschaftlichen Aufarbeitung, sondern wünscht sich, „dass sich nachfolgende Generationen auf der Basis einer fachlich begründeten Geschichtsschreibung ihr eigenes Bild machen“.
Wette wird in seinem Vortrag darauf eingehen, wie die Nazi-Propaganda Erwin Rommel zum Vorzeige-Kriegshelden und damit zugleich zum berühmtesten Sohn der Stadt Heidenheim stilisierte. Nach dem Krieg wurde der tote Rommel im Dienste der Legende von der „sauberen Wehrmacht“ erneut instrumentalisiert. „Mit der Zerstörung dieser Legende hat sich auch die Heroisierung Rommels überlebt“, folgert Wette.
Das Rommeldenkmal wurde 1961 vom „Verein deutsches Afrikakorps“ gestiftet. Geschaffen vom Heidenheimer Bildhauer Franklin Pühn erinnert es an den in Heidenheim geborenen Generalfeldmarschall Erwin Rommel (1891 – 1944). Eine Inschrift auf dem Stein nennt Rommel ein „Opfer der Gewaltherrschaft“. Bis heute ist unklar, ob Rommel die Planung eines Attentats auf Hitler kannte und Umsturzpläne unterstützte. Der Gemeinderat zeigte sich 2014 offen gegenüber der Idee, dem Rommeldenkmal ein weiteres Mahnmal entgegen zu setzen. 2019 machte der Gemeinderat den Weg frei für das von Rainer Jooß entwickelte Konzept, wonach sich der Schatten eines Minenopfers über das Rommeldenkmal legt.

(13. Juli 2020)

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