Kurt-Bittel-Preis der Stadt Heidenheim für Süddeutsche Altertumskunde

Der weltbekannte Archäologe Professor Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Kurt Bittel wurde am 5. Juli 1907 in Heidenheim geboren. Nach vielen Jahren wissenschaftlichen Wirkens im In- und Ausland wurde er am 23. Juli 1967 zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt.
Anlässlich seines 80. Geburtstages beschloss der Gemeinderat der Stadt Heidenheim am 1. Oktober 1987 als äußeres Zeichen der Ehrung einstimmig die Stiftung eines Kurt-Bittel-Preises für Süddeutsche Altertumskunde.
Der Preis wird am 22. November 2019 zum sechszehnten Mal verliehen.
Der Preisträger 2019 ist Dr. Thimo Jacob Brestel, Marburg, der für seine Dissertation "Die Ausgrabungen in Manching-Süd von 1990 – 2009. Studien zur Siedlungsstruktur und Befestigungsanlage des Oppidums“ ausgezeichnet wird.
Der Preisverleihung geht jeweils ein Archäologie-Colloquium mit namhaften Wissenschaftlern voraus. Das Thema des diesjährigen, neunzehnten Colloquiums lautet "Die Bevölkerungsverhältnisse in Süddeutschland in den Jahrzehnten um Christi Geburt.

Inhalt Archäologie-Colloquim

Spätkeltischer Münzdepotfund von Merklingen (Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Y. Mühleis)
Spätkeltischer Münzdepotfund von Merklingen (Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Y. Mühleis)

Die Bevölkerungsverhältnisse in Süddeutschland in den Jahrzehnten um Christi Geburt

Weder die historische noch die archäologische Forschung kann bislang eine sichere Aussage zu den Bevölkerungsverhältnissen in Süddeutschland während der Jahrzehnte um Christi Geburt machen. Dies betrifft sowohl das Ende der keltischen Spätlatènekultur als auch den Beginn der römischen Besiedlung. Während in angrenzenden Regionen Siedlungen und Gräberfelder aus dieser Zeit belegt sind, kennen wir aus Süddeutschland bestenfalls vereinzelte Funde. Das Fehlen archäologischer Siedlungsnachweise für einen Zeitraum von ca. 100 Jahren wird gerne mit historischen Nachrichten zusammengebracht, welche eine weitgehende Entvölkerung des Gebietes nahelegen, z.B. der von Klaudios Ptolemaios überlieferten „Helvetier-Einöde“. Welche Gründe vor dem Hintergrund der Ausweitung der Machtinteressen Roms und des Vordringens germanischer Bevölkerungsgruppen letztlich zur Aufgabe der keltischen Großsiedlungen (oppida), der Gutshöfe (Viereckschanzen) und Dorfsiedlungen um die Mitte des 1. Jh. v. Chr. geführt haben, ist nach wie vor rätselhaft. Der Großteil der spätkeltischen Bevölkerung dürfte in die Gebiete südlich und westlich des Rheins abgezogen sein. Ob aber wirklich eine völlige Entvölkerung der Landschaft stattgefunden hat, ist fraglich, denn es finden sich einheimisch-keltische Traditionen in der materiellen und geistigen Kultur des römerzeitlichen Süddeutschland. Neben charakteristischen Keramikformen und Verzierungen sind dies auch typische Formen der ländlichen Siedlungen, wie sie im Bereich von großflächigen Grabungen in den letzten Jahren zum Vorschein kamen. Im Rahmen des Kolloquiums wird diese interessante Fragestellung durch Beiträge aus verschiedenen Fachdisziplinen beleuchtet: Der prähistorischen und provinzialrömischen Archäologie, der Archäobotanik und der Numismatik.

Sowohl das 19. Archäologie-Colloquium als auch die 16. Verleihung des Kurt-Bittel-Preises am 22. November 2019 sind öffentliche Veranstaltungen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Beide Veranstaltungen finden im Rathaus Heidenheim, Emil-Ortlieb-Saal, statt. Anfahrtsbeschreibung unter heidenheim.de/kontakt. Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung bis spätestens 18. November 2019 erforderlich.

Programm Archäologie-Colloquium

19. Heidenheimer Archäologie-Colloquium

Die Bevölkerungsverhältnisse in Süddeutschland in den Jahrzehnten um Christi Geburt

Stadt Heidenheim mit Unterstützung des Heimat- und Altertumsvereins Heidenheim e. V.

Leitung
Dr. Günther Wieland
Landesamt für Denkmalpflege
im Regierungspräsidium Stuttgart

Beginn: 15:00 Uhr

Begrüßung
Bürgermeisterin Simone Maiwald

Grußwort
Dr. Martin Burkhardt
1. Vorsitzender des Heimat- und Altertumsvereins

Einführung in das Thema
Dr. Günther Wieland
Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

Vorträge
Dr. Patrick Nagy
Kantonsarchäologie Zürich
„Kelten, Germanen, Raeter und Römer – Neues zur
Siedlungsgeschichte des Oppidums von Altenburg-Rheinau“

Dr. Michael Nick
Inventar der Fundmünzen der Schweiz, Bern
„Merklingen und Langenau – Zwei Silbermünzhorte der
jüngeren Spätlatènezeit aus dem Südwesten Deutschlands“


Pause (ca. 16:45 Uhr bis 17:00 Uhr)

Prof. Dr. Sabine Rieckhoff
Universität Leipzig

Prof. Dr. Manfred Rösch
Universität Heidelberg
„Auswanderer und Einwanderer - Besiedlungsdynamik in
Südwestdeutschland aus archäologisch-botanischer Sicht“

Dr. Bernd Steidl
Archäologische Staatssammlung München
„Konservativ und widerständig – Die Bevölkerung


Gemeinsame Abschlussdiskussion
Moderation:
Prof. Dr. Dirk Krausse / Dr. Günther Wieland
Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart


Imbiss im Foyer des Rathauses (ca. 18:30 Uhr)

Programm Kurt-Bittel-Preis

16. Verleihung des Kurt-Bittel-Preises der Stadt Heidenheim für Süddeutsche Altertumskunde

an Herrn Dr. Thimo Jacob Brestel, Marburg, für seine Arbeit

„Die Ausgrabungen in Manching-Süd von 1990 – 2009. Studien zur Siedlungsstruktur und Befestigungsanlage des Oppidums“

Beginn: 20:00 Uhr

Musikstück Alan Abbott (*1926) Alla Caccia

Begrüßung
Oberbürgermeister Bernhard Ilg

Laudatio
Prof. Dr. Susanne Sievers
Universität Frankfurt

Prof. Dr. Andreas Müller-Karpe
Universität Marburg

Preisübergabe und Dank des Preisträgers


Musikstück Franz Strauss (1822 - 1905) Nocturno Op. 7


Festvortrag
Prof. Dr. C. Sebastian Sommer
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

„Drinnen/draußen – Der Raetische Limes und die römischen
Grenzen in Süddeutschland: gegen wen?“

Musikstück Eric Mayr (*1962) November Blues

Stehempfang im Foyer des Rathauses

Musikalische Umrahmung: Stephan Kröger – Horn / Eric Mayr – Klavier
Musikschule Heidenheim

Im Anschluss an die Preisverleihung findet ein Stehempfang im Foyer des Rathauses statt.

Die Rathaustiefgarage schließt um 23:30 Uhr.
Anfahrtsbeschreibung unter www.heidenheim.de/Kontakt

Kontakt

Historische Museen & Archiv
Grabenstraße 15
89522 Heidenheim an der Brenz
Tel.: 07321 327-4710
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