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Der Treff für die Jugend auf dem Zanger Berg

Mit Cemal Süzal

Freitags und samstags von 16 bis 20 Uhr geöffnet

Sie leben in einem Stadtviertel auf dem Zanger Berg und dennoch in zwei Welten: Auf der einen Seite die Jugendlichen, die an der Bushaltestelle, am Spielplatz oder am Gemeindehaus abhängen. Auf der anderen Seite Gemeindemitglieder, die sich provoziert und gestört fühlen. Bei einem Grillfest am Freitag den 22. Juli 2011 am Johannesgemeindehaus sollten sich beide Seiten näherkommen.

 

Das wünscht sich nicht nur Cemal Süzal, der gemeinsam mit Jugendlichen ehrenamtlich den verwaisten Jugendtreff „Mulde“ am Johannesgemeindehaus aufgemöbelt hat. Fünf Wochen lang haben sie in ihrer Freizeit Möbel geschleppt, Poster aufgehängt, geputzt und sogar eine Theke gezimmert, sodass aus den kargen Räumen im Untergeschoss des Gemeindehauses ein gemütlich eingerichteter neuer Treffpunkt für Jugendliche geworden ist.

 

Nun wollten sie den neu gestalteten Jugendtreff bei einer Grillparty vorstellen. Cemal Süzal war am Sonntag im Gottesdienst der Auferstehungsgemeinde, um die Gemeinde zum gemeinsamen Fest einzuladen. „Es hat mich sehr gefreut, dass danach einige auf mich zugekommen sind und angekündigt haben, dass sie kommen werden.“ Das war nicht selbstverständlich, nachdem sich Jugendliche und Erwachsene bislang eher skeptisch gegenüberstehen. Türöffnerin war dabei vor allem Pfarrerin Elke Steude, die diese Art von offener Jugendarbeit ausdrücklich unterstützt. Ziel sei es langfristig, dass die Jugendlichen den Treff selbst verwalteten.

 

Bislang galten die Fronten zwischen Jugend und älteren Gemeindemitgliedern als verhärtet. „Es ist einfach zu sagen, hier sei ein Brennpunkt, und dann auf den hohen Anteil von Russlanddeutschen zu verweisen“, ärgert sich der städtische Streetworker Kadir Cildir. „Es tut weh, wenn man merkt, dass man nicht erwünscht ist.“ Die Reaktion sei, noch mehr zu provozieren. Dies sei umso mehr ein Problem, da die Jugendlichen auf dem Zanger Berg seit der Schließung des Jugendtreffs „Mulde“ keinen Treffpunkt mehr haben. Ihnen bleibe nichts übrig, als sich am Spielplatz zu treffen oder bei jemandem zu Hause.

 

Cildir ist daraufhin aktiv geworden und hat nach einer „fähigen Person“ Ausschau gehalten, die den Jugendtreff wieder aufbauen und leiten kann. Mit Cemal Süzal hat er ins Schwarze getroffen. „Als Jugendlicher war ich in der gleichen Situation wie die Jugendlichen jetzt“, berichtet der heute 34-Jährige. Er sei auf dem Galgenberg aufgewachsen und habe auch nicht gewusst wohin. Also seien seine Kumpel und er am MPG rumgehangen, hätten getrunken und geraucht. Schließlich habe er die <dfn>Westschule</dfn> ohne Hauptschulabschluss verlassen. Die Einsicht, dass dies der falsche Weg ist, hatte der türkischstämmige Deutsche erst viel später. Er machte den Hauptschulabschluss nach, die Mittlere Reife und lernte schließlich in Karlsruhe Sport- und Gymnastiklehrer. Doch dann folgte der nächste Bruch in der Laufbahn. Durch private Tiefschläge rutschte er wieder ab, brach die Ausbildung ab und zog zehn Jahre lang umher. Seit 2008 ist er wieder in Heidenheim und trägt mittlerweile die Verantwortung für eine kleine Familie.

 

Die Aufgabe auf dem Zanger Berg ist ihm auf den Leib geschneidert: Voller Elan, den Jugendlichen das zu geben, was ihm damals gefehlt hat, legt er sich ins Zeug, sucht nach Sponsoren für den Aufbau des Jugendtreffs (wobei er bislang hauptsächlich durch seine selbstständigen Brüder finanziell unterstützt wurde), leitet und spornt die zuvor ideenlosen Jugendlichen an, an denen er die ersten Veränderungen schon feststellt: „Die hängen nicht mehr nur rum und haben Blödsinn im Kopf, sondern sind voller Tatendrang, wollen zelten oder grillen“, erzählt Cemal Süzal.

 

Wie es mit dem Treff weitergeht, hängt davon ab, ob der Treff auf professionelle Beine gestellt werden kann. Dass die Diakonie und Evangelische Kirchengemeinde als Träger hier eine Lösung finden, ist Cemal Süzals heimliche Hoffnung. Hier den Jugendlichen das zu geben, was ihm einstmals gefehlt hat, das ist sein Traum.

 

Vielleicht gelingt dies in einem anderen Zusammenhang, wie Pfarrerin Steude andeutet. Denn unabhängig vom Jugendtreff beginnt ab September ein von der „Aktion Mensch“ finanziell unterstütztes Theaterprojekt „Am Rande der Stadt“. Wie hier die projektbezogene und offene Jugendarbeit miteinander verknüpft werden kann, ist allerdings noch offen.

 

QUELLE: Heidenheimer Pressehaus