Die Ortschronik von Großkuchen (aus den Jahren 1975 - 78)
Quelle: Gerd Dannemann 1978
Die Ortschaft Heidenheim-Großkuchen dehnt sich über einen flachen, nach Südosten verlaufenden Bergrücken und zieht sich besonders an dessen Nordosthang, gegen das Krätzental hin, ab. Nur gegen Osten ist der Blick zum Kloster Neresheim offen, ansonsten werden die Flure von Mischwäldern und hohen Fichtenbeständen umrahmt. Hier sei erwähnt, daß nahezu 70% der Markungsflache Großkuchens bewaldet sind. Die Hauptholzarten sind Fichte und Rotbuche.
In den ältesten Aufzeichnungen wird nicht zwischen Groß- und Kleinkuchen unterschieden, vielmehr wird um 800 n.Chr. nur von einem Cuochheim berichtet. Erst um 1700 werden zwei „Kuchen" erwähnt, die dem Gaugrafen von Dillingen zugehörig waren. Um diese Zeit, also etliche Jahrhunderte nach der Gründung des Urdorfes (Großkuchen), nimmt man die Gründung Kleinkuchens an. Um 1150 ist anlässlich: einer Schenkung des Grafen Adalbert von Dillingen über Besitzungen in Minori Couchen (Minder- oder Kleinkuchen) die Rede.
Die vorgenannten Jahresdaten werden untermauert durch die im Jahre 1967 bei Kanalisationsarbeiten gemachten Gräberfunde in der Flur Kreuzeck. Das Gräberfeld konnte als frühfränkischer Friedhof aus vorchristlicher Zeit bestimmt werden. Die dazugehörige Siedlung müssen wir uns westlich davon vorstellen. Von jeher war es bei den germanischen Völkern, Rechtsbrauch, daß aus dem beweglichen Vermögen des Verstorbenen diesem für die Grabausstattung ein Teil zur Verfügung blieb. Diese Grabbeigaben aus Großkuchen (Männerund Frauengrab) zeugen vom hohen Können des alemannisch-frühfränkischen Handwerks, wie auch vom damaligen Handel mit dem germ. Norden, röm. Süden und mit dem fernen Osten, bis hin zum Indus.
Ein weiterer Zeuge der Vergangenheit ist die von Heidenheim nach Bopfingen führende, noch ziemlich gut erhaltene römische Heerstraße, welche den östlichen Teil der Großkuchener Gemarkung berührt und durch die östliche Spitze des Waldstücks ,,Badhäule" von Süden nach Norden führt. In diesem Waldstück liegen zu beiden Seiten der Römerstraße altgermanische Grabhügel.
1258 übernahmen die Grafen von Öttingen-Wallerstein die Dorfherrschaft, die dann Mitte des 18. Jahrhunderts mit den wiedergegründeten Höfen Hagenbuch und Hubasweiler und den Weilern Nietheim und Rotensohl an das Benediktinerkloster Neresheim abgetreten wurde. 1802 wurde der Fürst von Thurn und Taxis Grundherr von Großkuchen; somit war die Gemeinde bis 1810 unter bayrischer Hoheit. Noch heute befindet sich der Großteil der Wälder des Härtsfeldes im Besitz des Hauses Thurn und Taxis.
Ab 1810 war die Gemeinde bei Württemberg/Oberamt Neresheim, von 1938-1974 beim Kreis Heidenheim und ist seit dem 1. Juli 1974 Stadtteil Heidenheims. Zur heutigen Ortschaft Heidenheim-Großkuchen gehören die Teilorte Kleinkuchen, Rotensohl und Nietheim.
Kleinkuchen, eine kleine Ortschaft zwischen Großkuchen und Steinweiler gelegen, war bis 1810 selbständige Gemeinde. Bis 1935 wurde sie von einem „Anwalt" verwaltet. In der Mitte des Weilers steht innerhalb des ummauerten Friedhofs die Ulrichskapelle im Rokokostil, die am 15. Oktober 1746 eingeweiht wurde. In den Wäldern um Kleinkuchen findet man im Kohleichert und im Bauernhäule keltische Grabhügel und eine keltische Viereckschanze im Röserhau (Markung Schnaitheim). Rings umgeben von Wäldern befindet sich Nietheim, 2,5 km nordwestlich von Großkuchen. Der Ort, im Volksmund ,,Schlößle" genannt, besteht aus 3 Höfen und dem 1784 erbauten Jagdschloß des Fürsten von Thurn und Taxis, welches unter Abt Benedikt erbaut wurde und heute als Forsthaus dient. 1958 erbaute hier Fürst von Thurn und Taxis eine Waldarbeitersiedlung. 1966 wurde die Franz-Josefs-Kapelle eingeweiht, die heute viele Besucher anlockt.
Rotensohl liegt in einem Trockentälchen, 2,5 km südwestlich von Großkuchen. Der Ort wurde im 30-jährigen Krieg zerstört und vom Kloster Neresheim wieder gegründet.
Die Gesamtgemeinde beherbergt heute ca. 1350 Einwohner. Die noch vor rund 30 Jahren rein bäuerliche Gemeinde hat sich im Zuge des allgemeinen Strukurwandels zu einer Arbeiterwohngemeinde entwickelt. Die arbeitende Bevölkerung findet zum weit größten Teil ihre Arbeit in Heidenheim. Dadurch wurde die Ortschaftsverwaltung vor eine schwierige Aufgabe gestellt, diesen Berufspendlern genügend Erholungs- und Ausgleichsmöglichkeiten zu bieten. So wurde schon 1960 mit dem Bau einer Turn- und Festhalle begonnen, Parks wurden angelegt und drei Zierbrunnen (einer in Kleinkuchen) aufgestellt. Ebenso bemühen sich die ortsansässigen Vereine, zur Bereicherung und Verschönerung des dörflichen Lebens beizutragen. Das Dorfbild hat sich in den letzten 20 Jahren vor allem durch das Entstehen von 3 Wohnsiedlungen stark verändert.
Was in dieser Zeit geschaffen wurde, ist mit etwa gleich großen Gemeinden in der weiteren Umgebung verglichen, beispiellos. So wurde die Kanalisation in Großkuchen, Kleinkuchen und Rotensohl durchgeführt sowie in Großkuchen, Kleinkuchen, Rotensohl und Nietheim Kläranlagen gebaut.
Sämtliche Ortsstraßen in Groß- und Kleinkuchen und Rotensohl sowie die Ortsverbindungsstraßen Großkuchen-Elchingen, Kleinkuchen-Rotensohl und Nietheim-Rotensohl gelangten zum Ausbau. Mehrere Kilometer Feldwege konnten im Rahmen des grünen Planes und des Bodenverbandes Härtsfeld ausgebaut werden. Bereits 1960 wurde mit dem Bau einer neuen Schule und Turnhalle begonnen.
Die im Jahre 1736 erbaute Pfarrkirche St. Peter und Paul mit ihren 3 Rokokoaltären wurde innen und außen mehrmals renoviert. Ferner sei die Friedhofserweiterung und der Bau einer Leichenhalle in Groß- und Kleinkuchen erwähnt. Dabei fehlte es auch an privater Initiative nicht.
Diese großen Verdienste sind unserem Bürgermeister a.D. und jetzigem Ortsvorsteher Anton Wengert mit seinen Gemeinde- bzw. Ortschaftsräten zu verdanken.
Das Ortsbild hat sich so zum Vorteil verändert, daß die Gemeinde beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" in den Jahren 1967 und 1969 einen guten Platz und im Jahre 1970 einen 2. Platz belegte.
Die weitere Entwicklung möge zeigen, daß die Eingemeindung zur Stadt Heidenheim zum Segen und Wohl der Ortschaft Großkuchen und des Gesamtraumes Heidenheim richtig war.
Großkuchen ist die Heimat der Künstler- und Gelehrtenfamilie Mettenleiter. Johann Jakob Mettenleiter wurde 1750 als Sohn des Uhrmachers, der auch das Amt des Schulmeisters und Mesmers innehatte, in Großkuchen geboren. Er erlernte das Malen in Neresheim, arbeitete später in Holland und starb 1825 als kaiserlicher Hofmaler in Petersburg.
Johann Michael Mettenleiter wurde 1765 in Großkuchen geboren. Von seinem Bruder Johann Jakob erlernte er die Grundzüge der Kupferstecherei und der Malerei. 1790 wurde er in München als Hofkupferstecher angestellt und vom bayrischen Kurfürsten mit ehrenvollen Aufträgen betreut Da er eine besondere Art des Steindrucks erfand, mußte er lithographische Einrichtungen für München und Warschau errichten.
Johann Evangelist Mettenleiter (1792 geb.); im Berliner ,,Magazin der Schreibkunst" hieß es über ihn, daß er zu den besten Kalligraphen gerechnet werden müsse. Ab 1852 war er bei der Staatsdruckerei in München erster Lithograph und Inspektor. Heute weist eine Gedenktafel in der Mettenleiterstraße auf die verdienstvolle Familie hin, die ein Stück Münchner Kultur- und Kunstgeschichte verkörpert. (Anmerkung: Die Gedenktafel wurde 1957 in der Mettenleiterstraße angebracht und fehlt seit dem Neubau des kath. Gemeindehauses 1997)


