Urgeschichtliche Wasserstellen am Eisenbrunnen
Ohne Wasser kann der Mensch nicht leben. Ausreichend Wasser für Mensch und Vieh war vor dem Bau der Albwasserversorgung die wichtigste Voraussetzung für die Gründung von Siedlungen auf dem verkarsteten Härtsfeld.
Der Eisenbrunnen lag in einer leichten Senke, die heute aufgefüllt ist. Undurchlässige Schichten der anstehenden Zementmergel leiten das Oberflächenwasser der Umgebung in die Senke ein. So ist es nicht verwunderlich, dass bei Grabungen, die im Jahr 1889 am Eisenbrunnen stattfanden, Überreste alter Wasserstellen gefunden wurden, die in die Anfänge der Eisenzeit (7. Jh. v. Chr.) zurückreichen.
In dieser frühen Zeit wurden hier zwei nebeneinanderliegende Gruben von 5 bis 9 m Durchmesser und 4 bis 4,5 m Tiefe angelegt. Diese Gruben waren ständig mit Wasser gefüllt und boten einstmals den gleichen Anblick wie heute die Hülben, die man ab und zu noch als funktionsfähige Dorfhülben, häufiger aber in den umliegenden Wäldern als mehr oder weniger verlandete Wasserlöcher kennt.
Bislang gab es keine Antwort auf die Frage, seit wann der Mensch solche Hülben auf der Albhochfläche anlegte. Man musste sich mit der Feststellung begnügen, dass die Hülben im Laufe der Zeit immer wieder gereinigt worden waren, so dass keine Überreste darin verblieben, die dem neugierigen Forscher ihr Alter verraten hätten.
Nun belegen die Ausgrabungen am Eisenbrunnen, dass dort Hülben bereits in der frühen Eisenzeit bestanden. Während die südliche der beiden Hülben am Eisenbrunnen sehr bald, vermutlich noch während der frühen Eisenzeit (7. Jh. v. Chr.) verlandete, wurde die nördliche immer wieder gesäubert und so beständig als Wasserreservoir instand gehalten. Funde belegen die Nutzung der Wasserstelle vor allem für die keltische Zeit (Hallstattzeit 7. /6. Jh. v. Chr. und Latènezeit 5. /1. Jh. v. Chr). Unsicher bleibt, ob die Hülbe auch in römischer Zeit benutzt wurde (2. /3. Jh. n. Chr.). In der Zeit um 740 n. Chr., als bereits der Kern des heutigen Dorfes Großkuchen bestand, errichtete man anstelle der Hülbe einen Brunnen mit einer quadratischen hölzernen Fassung, die bis in 3 m Tiefe reichte. Der Ring des mit Bruchsteinen trocken aufgemauerten Eisenbrunnens führt 5,5 m tief hinab. In seiner Brunnenstube waren ebenfalls Hölzer aus der Zeit um 740 n. Chr. verbaut. Hier konnten die Großkuchener noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts frisches, sauberes Trinkwasser schöpfen.
Der aus Steinen gesetzte Brunnen wurde um 1900 verfüllt und aufgelassen. Da der Verdacht bestand, daß es sich hier um eine alte Wasserstelle handelt, wurde die Stelle im Jahr 1989 großflächig abgebohrt. Hierbei zeigten sich zwei 5 m tiefe wannenförmige Löcher mit bis zu 15 m Ausdehnung. Sie sind mit Sediment gefüllt und außerordentlich wasserführend. Die Schnitte zeigten, daß die beiden tiefen Wasserstellen schon in der Hallstattzeit offen lagen oder angelegt wurden. Ihre Füllung ist mit Holzkohle durchsetzt und randlich setzten Kulturschichten mit zahlreichen Scherben der Hallstattzeit an. Im Acker westlich des Eisenbrunnens sind deutliche Gruben zu erkennen aus denen Eisenschlacken stammen. In einer der Schürfgruben wurde auch der historische Eisenbrunnen lockalisiert. Es ist ein im Unterteil aus Plattenkalken, im Oberteil aus Massenkalkbrocken trocken gesetzter Schacht von 5,5 m Tiefe. Er war mit Steinen aufgefüllt worden. Auf seiner Sohle fanden sich zahlreiche Gegenstände: Ein kleiner Holzeimer mit Kippe stammt wohl von einer Schöpfeinrichtung. Scherben von Tonkrügen und eine Seltersflasche belegen die häufige Benutzung dieses für sein klares Wasser in der mündlichen Überlieferung auch heute noch gerühmten Brunnens. Eine Mundharmonika ist einem unachtsamen Spieler aus der Hand gefallen und wurde bei der Schürfung wieder gefunden.



