Altes Eichamt, Hintere Gasse 60
Das so genannte "Alte Eichamt" ist eines der stattlichsten historischen Gebäude Heidenheims. Der Sichtfachwerkbau ruht auf einem Erdgeschoss aus Massivmauerwerk. Sein Ostportal mit zweiflügeliger Tür, profiliertem Holzgewände und Oberlicht trägt die Inschrift: "ERBAVT VON StAT VND AMBT 1688".
Aus den schriftlichen Quellen wissen wir, dass "Stadt und Amt" - entfernt vergleichbar mit dem heutigen "Landkreis" - dieses Haus 1688 für die Stadt- und Amtsschreiberei errichten ließen. Schon seit 1611 war sie hier im Vorgängerbau untergebracht, zuvor in der Hauptstraße 48.
Das imposante Äußere des Gebäudes entspricht der Bedeutung seiner damaligen Nutzer: Der altwürttembergische Stadt- und Amtsschreiber musste die den ehrenamtlichen Bürgermeistern fehlenden Fachkenntnisse und technischen Fertigkeiten ergänzen. Seine Mithilfe war bei der Steuererhebung und bei der Erstellung der Gemeinderechnung ebenso gefragt, wie beim Abfassen von Testamenten, Verträgen und Bittschriften. Selbstverständlich oblag es ihm auch, die Amtsbücher zu führen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Stadt- und Amtsschreiber nahezu sämtliche Geschäfte der späteren Notare und höheren Verwaltungsbeamten von Stadt und Kreis zu versehen hatte und durch diese Ämterhäufung über einen entsprechenden Einfluss verfügte.
133 Jahre lang, bis 1821, arbeiteten und wohnten die Heidenheimer Stadt- und Amtsschreiber hier. Dann wurde die Behörde aufgelöst und das Oberamtsgericht zog ein. König Wilhelm der I. von Württemberg hatte diese Institution im Zuge der Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung geschaffen.
Als der Staat 1839 das Oberamtsgericht in die Brenzstraße 16 verlegte, kaufte die Stadt das Gebäude in der Hinteren Gasse und nutzte es als Schulhaus. Allerdings dienten nur die drei Vollgeschosse diesem Zweck, der Dachstock war ab 1840 an den Zigarrenfabrikanten Röscheisen vermietet. 1874, nach dem Bau der Brenzschule, endete die "Schulepisode" dieses Hauses.
Bereits 1871 hatte seine vierte Nutzungsphase, die als Sitz des hiesigen Eichamts, begonnen. Hier prüfte man die Maße und Gewichte der Gewerbetreibenden und versah neue Gerätschaften mit Eichmarken. Am 31. Dezember 1973 zog die inzwischen zur Ausgabestelle umgewandelte Behörde ins Rathaus um.
Zwischen 1978 und 1980 sanierte und restaurierte die Stadt das "Alte Eichamt" und von da an diente es großteils als Seniorentreff.
Aus Helmut Weimert "Historisches Heidenheim"
Nachdem zum Ende des Jahres 2003 Ingrid Schröder, Mitbegründerin und Leiterin des Seniorentreffs "Altes Eichamt" in der Hinteren Gasse, nach 30 Jahren städtischer Sozialarbeit in den Ruhestand ging und der Verein Bürgerhaus "Altes Eichamt" e.V. seine Auflösung beschloss, wurde das Haus für kurze Zeit geschlossen. Seit Januar 2004 wird das Bürgerhaus mit neuer Struktur weitergeführt.



