Auf großes Interesse ist bei Oberbürgermeister Bernhard Ilg die neue von der IHK vorgelegte Einzelhan-delsstudie gestoßen. „Ich fühle mich in vielen meiner Auffassungen bestätigt“, zieht er ein erstes Resümee, „vor allem aber erkenne ich für unsere Stadt Perspektiven, die eine hervorragende Antwort auf die von der IHK aufgezeigten Trends darstellen“. Jetzt will Ilg in einem Programm „Zukunft Innenstadt“ ein Bündel von Einzelmaßnahmen der Stadtentwicklung zusammenführen. Das rund 25.000 Quadratmeter große Ploucquet-Areal gibt den Anstoß dafür, der gesamten östlichen Innenstadt zwischen Voith und Bahnhof schon in wenigen Jahren ein völlig neues Gesicht zu geben.
Die IHK-Einzelhandelsstudie ist nicht nur für jedes Einzelne der von der Untersuchung erfassten vier Mittelzentren und sieben Unterzentren in Ostwürttemberg relevant, sondern sie erlaubt auch interessante Vergleiche. Neben Trends, die sich wie die zunehmende Filialisierung in allen Innenstädten beobach-ten lassen, steht Heidenheim mit einer gegenüber Aalen geringeren Kaufkraft da. Man kann vermuten, dass dies an dem inzwischen gestoppten Arbeitsplatzrückgang liegt.
Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass Heidenheim eine ausgesprochen hohe Einzelhandels-Zentralität hat. Diese Quote wird aus der am Ort vorhandenen einzelhandelsbezogenen Kaufkraft und den tatsächlichen Einzelhandelsumsätzen gebildet. Heidenheim wird in der Region bei diesem Merkmal nur noch von Bopfingen übertroffen, wobei diese an der bayerischen Grenze liegende Stadt ihre hohen Umsätze ausschließlich Möbel-Mahler zu verdanken hat. Seit Eröffnung des Schloss-Arkaden im Jahr 2004 steigt der Heidenheimer Wert rasant. Er liegt jetzt bei 147,1 (Vorjahr 136,2). Vereinfacht ausgedrückt kommt damit auf zwei Heidenheimer ein Kunde von auswärts, der seinen gesamten Einzelhan-delsumsatz in Heidenheim erledigt.
Die Politik der Stadt Heidenheim, große Händler wie etwa den Media-Markt oder gar den Textileinzel-handel gar nicht erst auf der „grünen Wiese“ bauen zu lassen, hat sich ausgezahlt. In den Fußgängerzo-nen ist die andernorts beklagte Leerstandsproblematik ausgeblieben. Vielmehr steigt seit Eröffnung der Schloss-Arkaden die Nachfrage der auf den Handel spezialisierten Makler nach frei werdenden Objekten. Von Problemen bei der Nachvermietung weiß Ilg nur insofern, als dass mancher Laden schlicht zu klein ist, um die erforderlichen Verkaufsflächen darstellen zu können.
„Drehen an der Gebetsmühle“ nennt Ilg den nach seiner Meinung von der IHK allzu pauschal vorgebrachten Rat, man möge in der Innenstadt für Parkplätze sorgen. Heidenheim hat genügend Parkplätze und Parkhäuser, die über ein dynamisches Parkleitsystem vernetzt sind. Die einzige Kritik, die von den Kunden kommt, betrifft ausschließlich die Höhe der Parkgebühren.
Mit der Verkehrsentwicklungsplan wurde der Verkehrsfluss verbessert und ein modernes Stadtbus-System geschaffen. „In den Laden kommen die Menschen immer als Fußgänger“, betont Ilg und verweist darauf, dass die Aufenthaltsqualität in den Fußgängerzonen durch moderne Gestaltungselemente, Beläge und Beleuchtung wesentlich besser geworden ist. An der hohen Fußgängerfrequenz, die in den Schloss-Arkaden ständig erfasst wird, kann jeder ablesen, dass diese Maßnahmen erfolgreich waren.
Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre will Ilg in der Stadterneuerung nicht stehen bleiben. Vorder-gründig denkt er dabei an die Chance, die Innenstadtentwicklung auf das Ploucquet-Areal auszudehnen. „Die Stadt kann das aber nicht allein leisten; sie muss es auch nicht“, deutet Ilg den Weg in eine weitere Entwicklungsgesellschaft mit der Stadt als einer von mehreren Partnern an. Mindestens Voith und die Kreissparkasse könnten in eine solche Gesellschaft eintreten, denn als unmittelbare Angrenzer dürfte deren Interesse hoch einzuschätzen sein, das eigene Areal zu arrondieren und die nach dem Abbruch der leeren Fabrikgebäude hinzugewonnenen Flächenreserven für die eigene Entwicklung zu nutzen. Über die Fertigstellung der Voith-Konzernzentrale an der St. Pöltener Straße hinaus sieht Ilg städtebaulich und architektonisch reizvolle Perspektiven.
Um auf der frei gewordenen Fläche eine gute Funktionsmischung und damit einher gehend eine Kunden-frequenz zu erzeugen, hat Ilg für das Ploucquet-Areal ein „Gesundheitshaus“ ins Spiel gebracht. Der demographische Wandel zwinge dazu, auf die sich ändernden Konsum-, Freizeit- und Beratungsbedürf-nisse der Gesellschaft zu reagieren. Der Politikschwerpunkt der kommenden Jahre heißt für Ilg denn auch „generationengerechte Stadt“. Er hält es für problematisch, in der Sozial- und Kommunalpolitik die Handlungsschwerpunkte so zu setzen, dass sich einzelne Gruppen nicht mehr wahrgenommen fühlen: „Das Motto ‚In Vielfalt geeint’ muss auf kommunaler Ebene angelegt werden, sonst hat es auf europäi-scher Ebene keine Chance“.
Ilg begrüßt die Initiative des Seniorenrats, im kommenden Jahr „seniorengerechte“ Einzelhandelsge-schäfte auszeichnen zu wollen. Nicht nur auf dem Ploucquet-Areal, sondern im gesamten Kernbereich der Stadt wird das Thema Wohnen immer wichtiger. Deshalb gibt es das Sanierungsgebiet „Soziale Stadt Wilhelmstraße/Kastorstraße“, deshalb sind auch die sich in der Oststadt nach dem Umzug von Edelmann abzeichnenden Entwicklungen interessant. Auf diese Weise will Ilg auch die Früchte der Arbeit ernten, die in den vergangenen Jahren in eine bedarfsgerechte und gepflegte Innenstadt gesteckt worden sind.
Zukunft Innenstadt: Perspektiven öffnen
Meldung vom 27.12.07



