Der Lokschuppen ist erst seit einem halben Jahr umgebaut und mit einer neuen Toilettenanlage versehen und hat sich in dieser kurzen Zeit als beliebtester Veranstaltungsort in Heidenheim etabliert. Auch für 2008 ist die Nachfrage groß, wie Oberbürgermeister Bernhard Ilg berichtet. Schon jetzt sind 24 Famili-enfeste verbindlich gebucht. Genauso interessant wie für Feiern ist der Lokschuppen für kulturelle Ver-anstaltungen. Bis jetzt stehen schon 22 Termine für Konzerte, Kabarett, Ausstellungen und Vorträge fest. 13 mal haben Vereine, Firmen oder Schulen das denkmalgeschützte Gebäude für ihre Zwecke gebucht.
Schon während der Landesgartenschau hat der Lokschuppen als Treffpunkt Baden-Württemberg nicht nur seine vielseitige Nutzbarkeit, sondern auch seine einzigartige Atmosphäre unter Beweis gestellt. Das gibt der Stadtverwaltung Anlass, gemäß der von den bisherigen Nutzern geäußerten Anregungen die technische Infrastruktur weiter zu verbessern. Der Lokschuppen wird 2008 eine mobile Bühne erhalten. Außerdem sind drei Traversen für eine feste Bühnenbeleuchtung vorgesehen. Allerdings sind dafür noch statische Berechungen erforderlich.
Das Kulturbüro beginnt nach den Weihnachtsferien mit der Werbung für die neue Marke „Kulturschiene“ im Lokschuppen. Die „Kulturschiene“ wird ungewöhnlichere, kleinere Kulturformate aufs Gleis setzen. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Tickets gibt es neuerdings auch online über www.heidenheim.de/kultur.html oder bei der Tourist-Info (Tel. 07321/3274910) und beim Ticketshop im Pressehaus (07321/347139).
Bereits am 24. Januar geht es los mit dem Kabarettisten und Schauspieler Jockel Tschiersch. Tschiersch ist den Fernsehzuschauern unter anderem als ständiger Begleiter weiblicher Kommissarinnen in „Rosa Roth“ und „Doppelter Einsatz“ sowie in jüngerer Zeit aus „Das Wunder von Lengede“ bekannt. Doch Tschiersch begnügt sich nicht mit der Darstellung von Personen, sondern bringt seit über 20 Jahren auch seine „bitterbösen Einsichten in die Natur des Menschen“ (Berliner Zeitung) auf die Kabarettbühnen.
In der „Kulturschiene“ im Lokschuppen präsentiert der Satiriker seinen neuen Roman „GRATSCH“, mit dem frech-provokanten Untertitel „oder: ich mach euch das Arschloch“. Die Zuschauer erwartet mehr als eine Lesung: Tschiersch spielt 30 Personen, spricht, jammert, winselt, heult, brüllt und flüstert in mindes-tens 12 Dialekten und 11 Geistes- und Körperhaltungen. Comedy als Kampfplauderei um Sex und Geld, um Theater und Eifersucht, um Erfolg und Dessous und um Pakete mit Unterhosen – eine zum Leben erweckte Lügengeschichte, komisch und gemein, mitten aus dem Sumpf der BRD-Medienwelt.
Weiter geht es am 7. Februar mit einem ganz besonderen Leckerbissen aus der Sparte Weltmusik. Kon-zertanten Flamenco und spanische Gitarrenmusik im Wechselspiel zwischen Temperament und leisen, lyrischen Tönen, das verspricht das Trio „Flamenco de Solera y Crianza“. Mit Friederike von Krosigk, Mi-guel Iven und Conny Sommer haben sich hier drei der führenden Musiker der europäischen Flamenco-szene gefunden. Friederike von Krosigk begeistert seit Jahren als Virtuosin auf einem ungewöhnlichen Instrument: der Konzertkastagnette. Neben dem Konzertanten Kastagnettenspiel studierte sie Gesang, Tanz und Schauspiel. Das sprühende Wechselspiel des Flamenco zwischen Temperament und leisen, lyri-schen Tönen verkörpert sie so in all seinen Facetten. Mit Miguel Iven hat sie vermutlichen den einzigen Deutschen an ihrer Seite, der sogar in Spanien, dem Mutterland des Flamenco, zu einem der gefragtes-ten Konzertgitarristen zählt. Er ist einer der ganz wenigen, die die Flamencomusik noch in ihrer traditio-nellen Form auf die Bühne zu bringen wissen. Der dritte im Bunde ist Conny Sommer, versierter Percuss
ionist, der vom sensiblen Tablas-Spiel bis zur kräftigen Cajón die ganze Bandbreite der Flamenco-Percussion beherrscht.
Jazz kann eine richte Party sein, das beweist die „Kulturschiene“ am 28. Februar. „Live played jazzy drum`n`bass`n`brazil`n`jungle” – so umschreibt die Band “BOOMCLACK” ihren Stil. Denn das, was bei Drum`n`Bass oder dem sogenannten Nujazz normalerweise auf dem Computer programmiert wird, spielt Gerwin Eisenhauer live auf dem Schlagzeug – selbst die Samples werden manuell gesteuert. Das Ergeb-nis ist ein atemberaubend präzises, unglaublich energiegeladenes Live-Erlebnis, das unmittelbar in die Beine geht. Mit im Boomclack-Boot sitzen Sängerin Lisa Wahlandt, Bassist Uli Zrenner, Walter Lang an den Fender Rhodes, Rüdiger Eisenhauer an Gitarre und Synthesizer und MC Live alias Mario Sütel - denn es wird auch live gerappt. Das respektlos-unbekümmerte Spiel mit alten Jazzstandards, Jungle, dem Great Brazilian Songbook, Bossa Nova, Reggae und Hip Hop ist mehr als ein Jazzkonzert – es ist eine Party, bei der es irgendwann egal ist, in welche Schublade das alles passt. Hauptsache, es macht Spaß. Und das macht es!
2006 war er bereits im Konzerthaus in Heidenheim zu Gast – und sorgte für Standing Ovations im fast ausverkauften Saal: Bernd Stelter. Am 3. April 2008 kommt er mit einem neuen Programm: „Mittendrin“ oder auch „Der dicke Mann sitzt immer mittendrin“ – sozusagen mit der Fortsetzung seines letzen Pro-gramms „Pubertät ist mehr als Pickel“. Denn die Pubertät haben sowohl Eltern als auch Kinder mehr oder weniger unbeschadet überstanden, und als Eltern hat man nun endlich wieder Zeit, sich mit dem eige-nen Leben zu beschäftigen. Aber was macht man, wenn man die 50 gerade überschritten hat? Steht man wirklich mitten im Leben oder schon am Anfang vom Ende? War es nicht einfacher, als man sich noch mit den großen und kleinen Problemen des Nachwuchses auseinandersetzen musste statt mit der eige-nen Midlife Crisis? In gewohnter Manier mit Lachern in Serie und vielen neuen Songs geht der Erfolgs-kabarettist Bernd Stelter den Dingen auf den Grund. Diese Veranstaltung findet nicht im Lokschuppen, sondern im Konzerthaus Heidenheim statt.
Mit Rebekka Bakken ist am 21. April ein echter Weltstar in der „Kulturschiene“ im Lokschuppen zu Gast. Die Norwegerin mit der charismatisch-sinnlichen Stimme hat in den letzten Jahren eine wahre Blitzkar-riere hingelegt. Kein Wunder: Rebekka Bakkens Stimmumfang umfasst drei Oktaven. Spielerisch, gelas-sen und klangschön tänzelt sie damit zwischen Pop, Folk, Jazz und Rhythm & Blues hin und her. Und sie ist nicht nur eine unglaubliche Sängerin: Sie komponiert und textet ihre Titel fast ausschließlich selbst. Dabei spricht sie nicht nur das puristische Jazzpublikum an, sondern zeigt, dass Jazz durchaus chartver-dächtig sein kann. Im Lokschuppen tritt die Ausnahmekünstlerin in Triobesetzung auf – sehr transparent, sehr intim und ohne Schnörkel. Ein atmosphärisch dichtes und vor allem wunderschönes Konzert ist garantiert.
Lex Mihi Ars – „Die Kunst sei mir Gesetz“, so der Titel des neuen Programms von Lisa Fitz. Und damit stellt die bayerische Kabarettistin gleich klar: Tabus gibt es keine – die Kunst heiligt die Mittel. Entspre-chend schonungslos geht das „Luder mit Hirn“ mit dem denkfaulen Otto-Normal-Bürger ins Gericht. Ihre Waffen: Wortwitz, Schlagfertigkeit, Temperament, Sprachgewandtheit und ihre unnachahmlich scharfe bayerische Zunge. Lisa Fitz empfiehlt die volle Nutzung des Gehirnpotentials im Umgang mit Medien und Meinungsmache. Dass das Gehirnpotential ihrer Zuschauer voll zum Einsatz kommt, dafür sorgt Lisa Fitz am 8. Mai in der Kulturschiene im Heidenheimer Lokschuppen. Hingehen, mitdenken, ablachen!
Zum Abschluss der “Kulturschiene” am 29. Mai heißt es: zurücklehnen und einfach nur staunen. Das „Theater Lufttanz“ aus Berlin zaubert die magische Welt des Zirkus in den Lokschuppen. Seiltanz, Stel-zentanz, Akrobatik und Pyrotechnik, dazu ein Feuerwerk an farbenprächtigen, schillernden Kostümen machen diesen Abend zu einem bunten Strauß an Sinneseindrücken.
Lokschuppen auf dem richtigen Gleis
Meldung vom 27.12.07



