Um Kinder geht es in der Zauberflöte bekanntlich gleich an mehreren Stellen: Pamina, die Tochter der „Königin der Nacht“; einen standesgemäßen Schwiegersohn, viele kleine Papagenos und Papagenas, drei weise Knaben. Aber ob sich die Jugend allein deshalb für diese Art Kultur interessiert, ist schon die Frage. Vielleicht wäre sie ja zu gewinnen, wenn die Kulturschaffenden – jedenfalls wenn es um Opern geht – nicht häufig an den Interessen der Jugend vorbei arbeiten würden.
Mit der neuen Einrichtung einer „Jungen Oper Heidenheim“ folgen die Opernfestspiele Heidenheim darum dem Vorbild anderer Opernhäuser und richtet sich gezielt an das junge Publikum. Oberbürgermeister Bernhard Ilg betont, dass für ihn eine familiengerechte Stadt bedeutet, Menschen aller Altersschichten anzusprechen und mitzunehmen. Mit der Spielzeit 2006 könnte die „Zauberflöte“ auf dem Schlossberg so zu einem echten Familienerlebnis werden.
Die Junge Oper Heidenheim hätte sich für diese Zwecke wohl keine geeignetere Oper aussuchen können als „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Mitten im Kampf Gut gegen Böse muss sich Tamino schwierigen Prüfungen stellen. Es geht um Familienprobleme, Freundschaft und Liebe, eigentlich um den jugendlichen Alltag. Kein Wunder also, dass gerade „Die Zauberflöte“ in vielen Bearbeitungen der Jugend zugänglich gemacht wurde.
Doch Heidenheim geht eigene Wege, und so hat Marco-Maria Canonica, Künstlerischer Direktor der Opernfestspiele, zwei Jungregisseure ausgewählt, die neben der Regie des jeweiligen Stückes auch zwei völlig neue Konzepte erarbeiten.
Oliver von Fürich hat Buch und Regie der Zauberflöte für Kids übernommen. Die Kinder sollen möglichst aus dem Alltäglichen an die „Zauberflöte“ herangeführt werden. In die Produktion werden Kinder mit eingebunden und auch das junge Publikum soll immer wieder mitmachen. Als Identifikationsfiguren werden drei Buben durch das Stück führen. Bei seiner Inszenierung will Oliver von Fürich nicht nur den Rittersaal bespielen, sondern auch den Brunnengarten mit einbeziehen. Nachwuchssänger werden dabei die bekanntesten Arien aus der Mozart-Oper singen und auch als „Schauspieler“ mitwirken.
In der Produktion für die Teenager liegt die Verantwortung für Buch und Regie in den Händen von Christina Hoff. Ihr sind die zwischenmenschlichen Facetten des Stücks am Wichtigsten. So steht für die Teenager die nagende Frage im Vordergrund: „Was würdest Du tun für die Liebe Deines Lebens? Wärst Du wie Tamino und würdest Dein Leben riskieren? Wie zerstörerisch ist der Wunsch nach Macht? Wie weit bist Du vom Allmachtsanspruch der „Königin der Nacht“ entfernt?“ Um die Jugendlichkeit der Personen im Stück möglichst realistisch wiederzugeben, hat Christina Hoff sich entschieden, in ihrer Fassung der Zauberflöte Heidenheimer Teenager in das Geschehen einzubeziehen. So soll in ca. 90 Minuten Spieldauer die Aktualität des Metiers Oper vermittelt werden.
Beide Produktionen werden von einem siebenköpfigen Orchester unter der Leitung von Maddalena Abele begleitet. Die Gesangssolisten sind in beiden Produktionen die selben. Bei mehreren Vorsingen wurden junge Nachwuchskünstler gefunden, die sich mit Stimme und Spielwitz in die Opernfestspiele einbringen wollen.
Premiere der Zauberflöte für Kids: 24. Mai
Premiere der Zauberflöte für Teens: 11. Juni


