Meisterkonzert: Sinfonisches Vermächtnis

Im zweiten Meisterkonzert der laufenden Saison mit der Cappella Aquileia unter Festspieldirektor Marcus Bosch am 2. April stehen zwei Großmeister der sinfonischen Musik im Mittelpunkt: Wolfgang Amadeus Mozart und Sergej Prokofjew. Solistin des Abends ist die junge italienische Geigenhoffnung Anna Tifu, die zum ersten Mal in der Festspielstadt Heidenheim zu Gast sein wird.

Foto: Vanessa Zan

Mozarts späte Sinfonien Es-Dur und C-Dur sind zwei musikalische Vermächtnisse, zwei Geniestreiche einer Abschlusstrilogie, die ganz unterschiedlichen Charakters sind. Die Es-Dur Sinfonie zeigt sich voller Lebenskraft und Glück, die C-Dur Sinfonie ist ein kontrapunktisches Meisterwerk voller instrumentaler Pracht.

Viele historische Unklarheiten umkreisen Mozarts letzte drei Sinfonien: Nicht überliefert ist, warum er dieser Werke geschrieben hat. Es konnte bislang weder ein genauer Anlass gefunden werden, noch ist ein Auftrag bekannt. Zudem fehlen Belege, dass Mozart diese Kompositionen zu Lebzeiten überhaupt gehört hat. Eine weitere Auffälligkeit ist die ungewöhnlich kurze Zeitspanne ihrer Entstehung: Im Sommer 1788 schrieb Mozart die Sinfonien Nr. 39, Nr. 40 und Nr. 41 innerhalb weniger Wochen. So formuliert der Komponist in einem Brief an seinen Freimaurerbruder Johann Michael Puchberg: „Kommen Sie doch zu mir und besuchen Sie mich; ich bin immer zuhause – ich habe in den zehn Tagen daß ich hier wohne mehr gearbeitet als in anderen Logis in zwei Monaten.“  

So individuell und unterschiedlich die letzten drei Sinfonien Mozarts auch komponiert sein mögen, sie stellen allesamt zukunftsweisende Werke dar, die stilistische Wegbereiter etwa für Beethovens Sinfonik waren. Mozarts Sinfonie Es-Dur ist die erste dieser sinfonischen Abschiedstrias und die „Jupitersinfonie“ setzt mit ihrer Fertigstellung drei Jahre vor Mozarts Tod den Schlusspunkt seines sinfonischen Schaffens.

In der Mitte des Heidenheimer Programms steht Sergej Prokofjews zweites Violinkonzert, das dem Geigenvirtuosen Robert Soetens gewidmet ist. Zur Zeit der Entstehung des Werkes befand sich Prokofjew in einer Umbruchsphase, in der er sich entschied, aus seinem Exil in Frankreich wieder in seine russische Heimat zurückzukehren. Gleichzeitig bestimmten auch zahlreiche Konzertreisen sein Leben, was sich in der Entstehungsgeschichte des zweiten Violinkonzertes auf prägnante Weise widerspiegelt. So wurde das Hauptthema des ersten Satzes – ein zunächst von der Violine gespieltes und durch Staccato-Figuren geprägtes Thema – in Paris geschrieben, das erste Thema des zweiten Satzes – von lyrisch-romantischem Charakter – im russischen Woronesch. Die Instrumentierung des Violinkonzertes nahm Prokofjew in Baku in Angriff, zur Uraufführung kam das Werk am 1. Dezember 1935 in Madrid, wo es von Robert Soetens gespielt wurde.

Die 1986 in Cagliari, Sardinien geborene Geigerin Anna Tifu studierte u.a. bei Maestro Salvatore Accardo, dem wohl berühmtesten italienischen Geigenvirtuosen der letzten Jahrzehnte. Als Solistin gastierte Anna Tifu bereits mit vielen renommierten Orchestern wie z.B. dem Toscanini Symphony Orchestra, dem Münchner Kammerorchester, dem Philharmonischen Orchester in Bukarest oder dem Prager Kammerorchester und konzertierte u.a. am Konzerthaus Berlin, in Schloss Elmau, im Madison Square Garden in New York sowie im Staples Center di Los Angeles.

Mit diesem Programm gibt die Cappella Aquileia bereits am 31. März im Teatro Comunale Luciano Pavarotti di Modena ihr Italien-Debut. Das Meisterkonzert bietet am 2. April überdies noch ein besonderes Rahmenprogramm: Um 17.30 ist das Publikum herzlich zum Künstlergespräch mit Dirigent Marcus Bosch eingeladen. Und bereits um 17.15 Uhr präsentieren die Kinder der Klasse B2 der Grundschule Königsbronn ihre Komposition zum Thema „Zeit“, die in einem konzertpädagogischen Projekt im der Rahmen der Musikwerkstatt der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ entstanden ist.

(17. März 2017)

Zugeordnete Kategorien

Tickets

Tourist-Information Heidenheim
Elmar-Doch-Haus
Hauptstraße 34
89518 Heidenheim
Tel.: 07321 3277777

Info Kompakt

Info kompakt:
Meisterkonzerte
Sinfonisches Vermächtnis
2. April 2017
18 Uhr, Waldorfschule Heidenheim