Wirtschaftsgeschichte

Heidenheims guter Ruf als eines ostwürttembergischen Wirtschaftszentrums des 19. und 20. Jahrhunderts gründet sich auf Erwerbszweige, deren Wurzeln hier teilweise bis in frühgeschichtliche Zeit reichen. So künden die bereits erwähnten zahlreichen hallstattzeitlichen Grabhügelgruppen von einer dichten Besiedlung im 8. - 5. vorchristlichen Jahrhundert, die ganz wesentlich von den hiesigen Bohnerzvorkommen motiviert gewesen sein dürfte. Aus der römischen Epoche Heidenheims fand man die Reste einer Gießerei. Steinsetzungen am Nordrand von Heidenheim-Großkuchen werden von den Archäologen als Herdstellen einer fabrikationsmäßigen frühalamannischen Eisenverhüttungsanlage gedeutet. Im 14. Jahrhundert erwähnen erstmals schriftliche Quellen Eisenabbau und -verarbeitung an Kocher und Brenz. Herzog Ulrich von Württemberg verlieh Heidenheim 1511 das Recht zum Abbau von Bohn- und Stuferzen sowie zur Errichtung von Eisenschmieden an der Brenz; um 1630 wurde der erste Heidenheimer Hochofen erbaut. Zwar musste 1819 die Eisenverhüttung wegen der übermächtigen Konkurrenz aus Wasseralfingen und dem Rheinland eingestellt werden, aber in einem fast nahtlosen Übergang erfolgte in Gestalt der Schlosserwerkstatt und nachmaligen Weltfirma Johann Matthäus Voith der Aufstieg des metallverarbeitenden Gewerbes seit etwa 1825.


Der im Brenztal und auf der östlichen Schwäbischen Alb angebaute Flachs bildete die Grundlage für die Leinwandherstellung in Heidenheim. Der Weg vom Flachs zur fertigen Leinwand führte über zahlreiche Stationen, jede für sich eine Erwerbsquelle, um als Beispiel nur die Hausweberei, die Garnsiederei, die Färberei und den seit dem 14. Jahrhundert schriftlich belegten Leinwandhandel in Heidenheim zu nennen.


An moderne Wirtschaftsförderungsmaßnahmen erinnert die Initiative Herzog Friedrichs I. zum Bau von Häusern vor dem "Unteren Tor" für zuzugswillige Weber aus der Umgebung. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts ebnete das importierte Massenprodukt Baumwolle der fabrikmäßigen Textilherstellung den Weg. Die ersten mechanischen Webstühle in Deutschland standen in der 1828 gegründeten Fabrik von Johann Gottlieb Meebold. Unternehmer wie Zoeppritz, Neunhoeffer oder Ploucquet folgten seinem Beispiel. Die Meeboldsche Firma wurde 1856 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, in die "Württembergische Cattunmanufactur Heidenheim/Brenz" (WCM). Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie sich zu einer der bedeutendsten Stoffdruckereien und zum dominierenden Fabrikbetrieb in Heidenheim emporgearbeitet.


Bis ins 16. Jahrhundert lässt sich die hiesige Papierherstellung zurückverfolgen: 1530 errichtete die Stadt eine Papiermühle an der Brenz; 1539 wurde hier Papier mit dem seit 1486 nachgewiesenen Heidenheimer Stadtwappen produziert. Von Friedrich Keller erwarb Heinrich Voelter jun. 1846 dessen noch unvollkommene Erfindung des Holzschliffs, und es gelang ihm, in Zusammenarbeit mit Johann Matthäus Voith die erste brauchbare Holzschleifmaschine zu konstruieren. 1864 allerdings war das Ende der Heidenheimer Papierherstellung gekommen, als Voelters Fabrik abbrannte und die Produktion verlegt wurde. Auch aus dem Wein- und Salzhandel zwischen Württemberg und Bayern verstand der Umschlagplatz Heidenheim insbesondere vom 15. - 18. Jahrhundert Gewinn zu ziehen. Die Tonlager der Umgebung lieferten den Rohstoff für das "Heidenheimer Geschirr", einem beliebten frühneuzeitlichen Exportartikel.


Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, seien zumindest die noch bis in unser Jahrhundert sehr zahlreich in Heidenheim vertretenen Brauereien und Gerbereien erwähnt.

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